Praxisfinanzierung – wie funktioniert die Finanzierung einer Arztpraxis?
Die Finanzierung gehört zu den wichtigsten Schritten auf dem Weg in die eigene Arztpraxis. Neben dem Kaufpreis der Praxis müssen häufig auch Investitionen in Geräte, Einrichtung, IT oder Marketing eingeplant werden.
Eine strukturierte Praxisfinanzierung sorgt dafür, dass alle Kosten berücksichtigt werden und die Finanzierung langfristig zu Ihrer persönlichen Situation passt.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Möglichkeiten der Praxisfinanzierung es gibt und worauf Ärztinnen und Ärzte besonders achten sollten.
Schritt 1: Welche Kosten bei einer Praxisgründung häufig unterschätzt werden
Viele Ärztinnen und Ärzte denken bei der Praxisfinanzierung zunächst nur an den Kaufpreis der Praxis. Tatsächlich entstehen bei einer Praxisgründung oder Praxisübernahme jedoch oft zusätzliche Kosten, die in der Finanzplanung berücksichtigt werden sollten.
Neben dem Kaufpreis der Praxis können beispielsweise folgende Kosten entstehen:
- medizinische Geräte oder technische Ausstattung
- Anpassungen der Praxiseinrichtung
- Umbauten oder Renovierungen
- Kosten für Anwalt oder Steuerberater
- Marketing und Website
- Beratungskosten oder Praxisvermittlung
Diese Kosten sollten von Anfang an in das Finanzierungskonzept integriert werden. Idealerweise werden sie direkt mitfinanziert, sodass Sie nicht auf private Rücklagen zurückgreifen müssen.
Schritt 2: Liquiditätsplanung in den ersten Monaten
Ein wichtiger Punkt bei der Praxisfinanzierung wird häufig unterschätzt: die Liquidität in den ersten Monaten nach der Praxisübernahme.
Gerade zu Beginn können die Einnahmen der Praxis noch schwanken. In vielen Fällen zahlt die Kassenärztliche Vereinigung zunächst Abschlagszahlungen, die erst später durch die tatsächliche Abrechnung angepasst werden.
Das bedeutet: In den ersten Monaten stehen möglicherweise noch nicht ausreichend Einnahmen zur Verfügung, um alle laufenden Kosten zu decken.
Zu diesen Kosten gehören zum Beispiel:
- Gehälter der Mitarbeiter
- Miete der Praxisräume
- Leasingraten für Geräte
- Versicherungen
- private Lebenshaltungskosten
Eine ausreichende Liquiditätsreserve ist daher ein wichtiger Bestandteil jeder Praxisfinanzierung.
Schritt 3: Welche Finanzierungsstrategie passt zu Ihnen?
Bevor ein konkretes Finanzierungskonzept erstellt wird, stellt sich zunächst eine grundlegende Frage: Welche Art von Finanzierung passt zu Ihrer persönlichen Situation?
Manche Ärztinnen und Ärzte möchten den Kredit möglichst schnell zurückzahlen und ihre Praxis frühzeitig entschulden.
Andere bevorzugen eine langfristige Finanzierung mit niedrigeren monatlichen Raten, um mehr finanziellen Spielraum im Alltag zu behalten.
Beide Strategien können sinnvoll sein – entscheidend ist, dass die Finanzierung zu Ihren persönlichen Zielen passt.
Schritt 4: Vorteile einer Annuitätenfinanzierung
Bei einer klassischen Annuitätenfinanzierung zahlen Sie regelmäßig eine gleichbleibende Rate an die Bank.
Diese Rate besteht aus zwei Bestandteilen:
- Zinsen
- Tilgung
Mit jeder Zahlung reduziert sich der Kreditbetrag weiter. Am Ende der Laufzeit ist der Kredit vollständig zurückgezahlt.
Ein Vorteil dieser Variante ist die hohe Planungssicherheit. Die monatliche Belastung bleibt über einen langen Zeitraum konstant.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass sich die Restschuld im Laufe der Zeit reduziert. Dadurch kann sich beispielsweise auch Ihre Bonität für weitere Finanzierungen verbessern.
Schritt 5: Besonderheiten der endfälligen Finanzierung
Eine alternative Finanzierungsform ist die sogenannte endfällige Finanzierung.
Bei dieser Variante zahlen Sie während der Laufzeit nur die Zinsen an die Bank. Die eigentliche Tilgung erfolgt erst am Ende der Laufzeit.
Dafür wird parallel Kapital aufgebaut, zum Beispiel über:
- Fonds
- ETFs
- Vermögensverwaltungen
- Rentenversicherungen
Die Idee dahinter ist, dass sich das angelegte Kapital über viele Jahre entwickeln kann und am Ende zur Rückzahlung des Kredits genutzt wird.
Diese Variante kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung.
Schritt 6: Betriebsmittelfinanzierung für laufende Kosten
Neben der Finanzierung des Kaufpreises benötigen viele Praxen auch eine Finanzierung für laufende Kosten.
Hier kommt häufig ein sogenanntes Betriebsmitteldarlehen zum Einsatz.
Dieses Darlehen kann beispielsweise genutzt werden für:
- Praxiseinrichtung
- Marketingmaßnahmen
- IT-Systeme
- Umbauten
- laufende Praxiskosten
Das Betriebsmitteldarlehen hat in der Regel eine kürzere Laufzeit als der Kredit für den Praxiswert.
Schritt 7: Kontokorrentkredit als flexible Finanzierung
Eine weitere Möglichkeit ist der sogenannte Kontokorrentkredit.
Dabei stellt die Bank einen Kreditrahmen zur Verfügung, der flexibel genutzt werden kann. Diese Lösung funktioniert ähnlich wie ein Dispokredit.
Der Vorteil besteht in der hohen Flexibilität: Sie können den Kreditrahmen jederzeit nutzen und wieder ausgleichen.
Allerdings sind die Zinsen meist höher als bei klassischen Darlehen.
Schritt 8: Leasing oder Kauf von medizinischen Geräten
Bei der Einrichtung der Praxis stellt sich häufig die Frage, ob medizinische Geräte gekauft oder geleast werden sollen.
Beide Varianten haben unterschiedliche Auswirkungen auf:
- Liquidität
- steuerliche Behandlung
- Finanzierung
Beim Kauf wird das Gerät aktiviert und über mehrere Jahre abgeschrieben. Beim Leasing können die monatlichen Leasingraten in der Regel direkt als Betriebsausgaben angesetzt werden.
Die Entscheidung sollte daher immer gemeinsam mit dem Steuerberater getroffen werden.
Schritt 9: Welche Banken finanzieren Arztpraxen?
Grundsätzlich bieten viele Banken Finanzierungen für Arztpraxen an. Dazu gehören beispielsweise:
- Sparkassen
- Volks- und Raiffeisenbanken
- Deutsche Bank
- Apobank
- MLP Bank
Ein wichtiger Bestandteil der Praxisfinanzierung sind häufig Förderprogramme.
Diese werden beispielsweise bereitgestellt durch:
- KfW Förderbank
- LFA Förderbank Bayern
Solche Förderprogramme können besonders günstige Konditionen für Praxisgründungen oder Praxisübernahmen bieten.
Fazit: Praxisfinanzierung frühzeitig planen
Die Finanzierung einer Arztpraxis besteht aus mehreren Bausteinen. Neben dem Kaufpreis müssen häufig auch Investitionen, Praxiskosten und Liquiditätsreserven eingeplant werden.
Eine strukturierte Planung hilft dabei, die Finanzierung langfristig stabil aufzubauen und den Start in die eigene Praxis wirtschaftlich erfolgreich zu gestalten.