Ratgeber zu Praxisversicherungen
Praxisversicherungen für Ärztinnen und Ärzte
Welche Praxisversicherungen sind wirklich wichtig?
Wer eine eigene Arztpraxis gründet oder übernimmt, sollte sich frühzeitig mit den passenden Versicheurngen beschäftigen. Denn die sichern nicht nur einzelne Risiken ab, sondern helfen vor allem dabei, die wirtschaftliche Stabilität der Praxis zu schützen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Praxisversicherungen für Ärztinnen und Ärzte wirklich wichtig sind, welche Risiken abgesichert werden sollten und welche Policen im Einzelfall auch verzichtbar sein können.
Schritt 1: Warum Praxisversicherungen überhaupt wichtig sind
Versicherungen sind für Ärztinnen und Ärzte vor allem deshalb wichtig, weil sie die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit der Praxis absichern.
Es geht dabei nicht nur um große Schadensfälle wie Brand oder Wasserschäden. Auch Krankheit, Berufsunfähigkeit oder Haftungsfälle können dazu führen, dass Einnahmen ausfallen oder hohe Kosten entstehen.
Ein gutes Versicherungskonzept sorgt dafür, dass Sie auch in schwierigen Situationen Ihre Praxis weiterführen oder zumindest wirtschaftlich abgesichert bleiben.
Schritt 2: Persönliche Versicherungen und Praxisversicherungen
Grundsätzlich lassen sich die wichtigsten Versicherungen in zwei Gruppen einteilen:
Persönliche Absicherung
Diese Versicherungen betreffen Sie als Praxisinhaber persönlich, zum Beispiel bei Krankheit, Berufsunfähigkeit oder im Todesfall.
Absicherung der Praxis
Diese Versicherungen betreffen die Praxis selbst, also etwa Schäden an Einrichtung, Technik oder den Ausfall des Praxisbetriebs.
Gerade bei einer Praxisgründung oder Praxisübernahme ist es sinnvoll, beide Bereiche gemeinsam zu betrachten.
Schritt 3: Risikolebensversicherung für Praxisinhaber
Die Risikolebensversicherung gehört zu den Versicherungen, die häufig auch von Banken im Rahmen der Praxisfinanzierung verlangt werden.
Sie sichert den Todesfall ab. Im Ernstfall wird eine vorher vereinbarte Summe ausgezahlt, mit der beispielsweise der Praxiskredit zurückgeführt werden kann. Dadurch werden Angehörige und Familie finanziell entlastet.
Wichtig ist dabei:
- Höhe der Absicherung
- Laufzeit der Versicherung
- Gesundheitsprüfung bei Abschluss
Gerade bei Praxisinhabern mit Finanzierung ist die Risikolebensversicherung oft ein wichtiger Baustein.
Schritt 4: Krankenversicherung und Krankentagegeld
Neben der allgemeinen Krankenversicherung spielt vor allem das Krankentagegeld eine wichtige Rolle.
Das Krankentagegeld sichert den Fall ab, dass Sie krankheitsbedingt für längere Zeit nicht arbeiten können. Es ersetzt dann einen Teil Ihres Einkommens und sorgt dafür, dass private Kosten weiter getragen werden können.
Gerade als Praxisinhaber ist das wichtig, denn die laufenden privaten Ausgaben bestehen auch dann weiter, wenn Sie vorübergehend nicht arbeiten können.
Wichtige Fragen sind dabei:
- Ab welchem Tag soll das Krankentagegeld zahlen?
- In welcher Höhe soll es gezahlt werden?
- Wie passt die Absicherung zu Ihrem tatsächlichen Einkommen?
Schritt 5: Berufsunfähigkeitsversicherung für Ärztinnen und Ärzte
Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert den Fall ab, dass Sie Ihren Beruf dauerhaft nicht mehr ausüben können.
Während das Krankentagegeld eher kurzfristige Krankheitsphasen abdeckt, geht es bei der Berufsunfähigkeit um langfristige gesundheitliche Einschränkungen.
Gerade für Ärztinnen und Ärzte ist diese Absicherung besonders wichtig, weil die eigene Arbeitskraft oft die Grundlage für das Einkommen aus der Praxis darstellt.
Bei der Auswahl der Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es unter anderem an auf:
- Höhe der monatlichen Rente
- Laufzeit der Absicherung
- Gesundheitszustand bei Antragstellung
- passende Bedingungen speziell für Mediziner
Schritt 6: Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte
Die Berufshaftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Versicherungen für Ärztinnen und Ärzte.
Sie deckt Schäden ab, die im Rahmen der ärztlichen Tätigkeit entstehen können. Dazu gehören insbesondere Personen- und Vermögensschäden.
Wichtig ist dabei, dass nicht nur Sie selbst abgesichert sind, sondern – je nach Praxisform – auch angestellte Ärztinnen und Ärzte oder weiteres medizinisches Personal.
Die Höhe des Beitrags hängt unter anderem ab von:
- Fachrichtung
- Anzahl der Mitarbeitenden
- Tätigkeitsschwerpunkten
- Risikoprofil der Praxis
Gerade in operativen oder invasiven Fachrichtungen fällt die Prämie deutlich höher aus als beispielsweise in einer hausärztlichen Praxis.
Schritt 7: Inhaltsversicherung und Betriebsunterbrechung
Die Inhaltsversicherung ist für die Praxis vergleichbar mit einer Hausratversicherung im privaten Bereich.
Sie sichert unter anderem ab:
- Mobiliar
- Einrichtung
- Technik
- Praxisinventar
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Betriebsunterbrechungsversicherung. Sie greift, wenn die Praxis wegen eines Schadens – etwa durch Brand oder Wasserschaden – vorübergehend nicht weiterbetrieben werden kann.
Dann ersetzt die Versicherung in der Regel die entgehenden Erträge beziehungsweise laufende Kosten, die trotz des Ausfalls weiterlaufen.
Gerade für Arztpraxen ist das ein wichtiger Punkt, weil laufende Kosten wie Gehälter oder andere Verpflichtungen auch während eines Ausfalls bestehen bleiben.
Schritt 8: Elektronikversicherung für medizinische Geräte
Die Inhaltsversicherung deckt häufig nicht alle medizinischen Geräte ausreichend ab. Deshalb kann zusätzlich eine Elektronikversicherung sinnvoll sein.
Diese Versicherung schützt insbesondere hochwertige medizinische Technik – auch gegen Risiken wie:
- Bedienfehler
- technische Defekte
- Schäden an sensibler Elektronik
Wichtig ist dabei, dass im Schadenfall möglichst der Neuwert ersetzt wird und nicht nur der Zeitwert. Nur so lässt sich die technische Ausstattung der Praxis bei Bedarf wirklich wiederherstellen.
Schritt 9: Rechtsschutzversicherung für die Arztpraxis
Auch eine Rechtsschutzversicherung kann für Praxisinhaber sinnvoll sein.
Sie unterstützt typischerweise in Bereichen wie:
- Arbeitsrecht mit Mitarbeitenden
- Mietrecht bei Praxisräumen
- Vertragsrecht
- Verkehrsrecht bei betrieblich genutzten Fahrzeugen
Oft geht es dabei nicht sofort um große Gerichtsverfahren. Schon die Möglichkeit, eine anwaltliche Einschätzung zu erhalten, kann im Praxisalltag sehr hilfreich sein.
Schritt 10: Praxisausfallversicherung und Cyberversicherung
Neben den klassischen Praxisversicherungen gibt es noch weitere Policen, die im Einzelfall sinnvoll sein können.
Praxisausfallversicherung
Diese Versicherung kann greifen, wenn Sie krankheitsbedingt ausfallen und die Praxis dadurch Gewinneinbußen hat.
Cyberversicherung
Die Cyberversicherung schützt vor Risiken rund um Datenverlust, Cyberangriffe oder den Missbrauch sensibler Patientendaten.
Gerade bei digital arbeitenden Praxen gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass Cyberversicherungen meist nur dann leisten, wenn bestimmte technische Sicherheitsstandards eingehalten werden.
Schritt 11: Welche Praxisversicherungen sind wirklich notwendig?
Nicht jede Versicherung ist automatisch sinnvoll. Entscheidend ist immer, welche Risiken in Ihrer persönlichen und beruflichen Situation tatsächlich relevant sind.
Wichtige Kriterien sind dabei:
- Fachrichtung
- Größe der Praxis
- Anzahl der Mitarbeitenden
- technische Ausstattung
- persönliche finanzielle Situation
Ein gutes Versicherungskonzept sollte deshalb nicht möglichst viele Policen enthalten, sondern genau die Versicherungen, die für Ihre Praxis wirklich notwendig sind.
Fazit: Das passende Versicherungskonzept für Ihre Arztpraxis
Ein durchdachtes Versicherungskonzept hilft dabei, die wirtschaftliche Stabilität Ihrer Praxis langfristig zu sichern.
Wichtig sind vor allem die Versicherungen, die große persönliche und betriebliche Risiken absichern – etwa Berufshaftpflicht, Krankentagegeld, Berufsunfähigkeit sowie Inhalts- und Elektronikversicherung.
Welche Absicherung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt immer von Ihrer Praxis und Ihrer persönlichen Situation ab.