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Fahr- und Zeitplan zur eigenen Arztpraxis

Bei der eigenen Arztpraxis müssen viele Entscheidungen getroffen werden – von der Praxissuche über Finanzierung und Zulassung bis zur Organisation des Praxisstarts.

Dieser Ratgeber zeigt Ihnen den typischen Fahrplan zur Niederlassung. 

Schritt 1: Die Entscheidung für die eigene Praxis

Bevor Sie mit der konkreten Planung beginnen, sollten Sie sich eine grundlegende Frage stellen: Möchten Sie wirklich Praxisinhaber werden?

Der Unterschied zwischen einem angestellten Arzt und einem niedergelassenen Arzt ist größer, als viele zunächst denken. Als Praxisinhaber profitieren Sie zwar von mehr Freiheit und Selbstbestimmung, übernehmen aber gleichzeitig auch unternehmerische Verantwortung.

Zu den neuen Aufgaben gehören unter anderem:

  • Personalführung
  • Organisation der Praxis
  • wirtschaftliche Planung
  • Abrechnung und Verwaltung

Deshalb ist es sinnvoll, sich frühzeitig klarzumachen, ob dieser Schritt zur eigenen beruflichen Vorstellung passt.


Schritt 2: Eine passende Praxis finden

Der nächste wichtige Schritt ist die Suche nach einer geeigneten Praxis.

Viele Ärztinnen und Ärzte nutzen dafür verschiedene Wege:

  • Praxisbörsen von Banken oder Dienstleistern
  • Angebote der Kassenärztlichen Vereinigungen
  • persönliche Kontakte im eigenen Netzwerk

Gerade persönliche Kontakte spielen eine wichtige Rolle. Häufig ergeben sich Praxisübernahmen über Kolleginnen und Kollegen, bevor eine Praxis überhaupt offiziell inseriert wird.


Schritt 3: Den Kaufpreis der Praxis bewerten

Wenn Sie eine passende Praxis gefunden haben, stellt sich schnell die nächste zentrale Frage: Ist der aufgerufene Kaufpreis angemessen?

Der Preis einer Praxis sollte immer im Verhältnis zu ihrem wirtschaftlichen Wert betrachtet werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • der Gewinn der Praxis
  • die Patientenstruktur
  • vorhandene Geräte und Ausstattung
  • mögliche Entwicklungspotenziale

Eine wirtschaftliche Bewertung hilft dabei, einzuschätzen, ob der Kaufpreis fair ist oder ob noch ungenutztes Potenzial in der Praxis steckt.


Schritt 4: Vertragsgestaltung

Sobald Sie sich mit dem bisherigen Praxisinhaber grundsätzlich einig sind, sollte die Vereinbarung schriftlich festgehalten werden.

Hierbei unterstützt in der Regel ein spezialisierter Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin. Der Praxisübernahmevertrag regelt unter anderem:

  • Kaufpreis und Zahlungsmodalitäten
  • Übergabe der Praxis
  • Inventar und Geräte
  • mögliche Übergangsregelungen

Gerade bei der Vertragsgestaltung ist es sinnvoll, einen Experten einzubeziehen.


Schritt 5: Finanzplanung und Finanzierung

Ein zentraler Bestandteil der Praxisübernahme ist die Finanzplanung.

Dabei geht es zunächst darum, zu prüfen, ob die Praxis wirtschaftlich zu Ihren persönlichen Zielen passt. Dazu werden Einnahmen, Ausgaben und mögliche Investitionen analysiert.

Der Finanzplan ist jedoch nicht nur für Sie selbst wichtig, sondern auch für die Bank. Er zeigt, ob die Praxis langfristig genügend Einkommen erwirtschaften kann, um die Finanzierung zu tragen.


Schritt 6: Marketing und Positionierung der Praxis

Viele Praxisinhaber unterschätzen die Bedeutung eines klaren Marketingkonzepts.

Während früher eine neue Praxis oft automatisch genügend Patienten hatte, ist heute eine klare Positionierung wichtiger geworden.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • eine professionelle Website
  • Online-Sichtbarkeit
  • ein klares Leistungsprofil
  • eine gezielte Patientenansprache

Eine passende Marketingstrategie kann dabei helfen, die Praxis erfolgreich zu entwickeln.


Schritt 7: Zulassung und Kassensitz

Bei einer Praxisübernahme muss der Kassensitz über ein sogenanntes Nachbesetzungsverfahren übertragen werden.

Dabei schreibt die zuständige Kassenärztliche Vereinigung den Sitz aus. Grundsätzlich können sich auch andere Ärztinnen und Ärzte auf diesen Sitz bewerben.

Deshalb ist es wichtig, den Zeitplan der jeweiligen Region zu kennen. Der Zulassungsausschuss tagt je nach Region monatlich oder quartalsweise.


Schritt 8: Versicherungen und Absicherung

Neben der Finanzierung sollten auch mögliche Risiken berücksichtigt werden.

Dazu gehören beispielsweise:

Persönliche Risiken

  • Krankheit
  • Berufsunfähigkeit
  • Todesfall

Betriebliche Risiken

  • Brand
  • Wasserschäden
  • Praxisunterbrechung

Eine passende Absicherung sorgt dafür, dass die Praxis auch bei unerwarteten Ereignissen stabil bleibt.


Schritt 9: Steuerberatung

Mit der eigenen Praxis ändern sich auch steuerliche Pflichten.

Während angestellte Ärzte ihre Steuern automatisch über den Arbeitgeber zahlen, müssen Praxisinhaber ihre Steuern selbst organisieren und Rücklagen bilden.

Ein Steuerberater mit Erfahrung im Bereich Arztpraxen kann dabei helfen, die steuerliche Struktur von Anfang an richtig aufzusetzen.


Schritt 10: Praxisorganisation und Personalführung

Als Praxisinhaber übernehmen Sie auch Verantwortung für Ihr Team.

Dazu gehören:

  • Mitarbeiterführung
  • Organisation der Praxisabläufe
  • Delegation von Aufgaben
  • Aufbau eines funktionierenden Teams

Viele Ärztinnen und Ärzte lernen diese Fähigkeiten erst im Laufe der Zeit, weshalb Fortbildungen im Bereich Führung und Organisation hilfreich sein können.


Fazit

Der Weg zur eigenen Praxis besteht aus vielen einzelnen Schritten – von der Entscheidung für die Niederlassung über Praxissuche und Finanzierung bis zur Organisation des Praxisalltags.

Eine strukturierte Planung hilft dabei, den Überblick zu behalten und typische Fehler zu vermeiden.